Steinbruch Demokratie: Lesung aus „Wie eine Träne im Ozean“ von Manès Sperber

Mein Freund Paul Humann und ich werden bei dem Projekt Steinbruch Demokratie von Paul Baumann mit einen Beitrag dabei sein:

Am Mittwoch, den fünften Juni werden wir aus der Romantriologie „Wie eine Träne im Ozean“ vorlesen. Der Roman handelt in der politischen Landschaft Europas in den Jahren zwischen 1930 und 1945. Die Figur im Mittelpunkt ist ein kritischer Revolutionär namens Dojno Faber. In einer langen Reise durch Europa erlebt er die Machtergreifung der Nazis, den Ausbruch des zweiten Weltkriegs sowie die Zeit des Widerstandes bis Kriegsende. Er schlägt sich im kommunistischen Untergrund durch und muss Diktatur und Terror erfahren.
Paul Humann und Wolfgang Küppers lesen aus diesem europäischen Schichsalsroman. Neben tiefen Einsichten über Gewalt, Terror und die revolutionäre Bewegung erzählt der Autor Manès Sperber eine spannende Geschichte.
Die Geschichte des Dojno Faber berührt viele Grundsätzfragen. Einerseits geht es um politische Fragen der 30er Jahre, z. B. was ist eine Bewegung? Was bedeutet sie für die einfachen Leute? Wann wird aus einer Bewegung eine Partei? Und andererseits geht es um zentrale menschliche Fragen, wie Lüge und Wahrheit, Was tun wir, um nicht vergessen zu werden? Kann Liebe in Zeiten von Diktatur, Krieg und Revolution geben?
Der Autor Manès Sperber hat zudem Zeit seines Lebens die Strukturen und das Funktionieren von totalitären Machtsystemen analysiert. So setzt er sich sozusagen über sein literarisches Ebenbild Dojno Faber mit dem ständig bedrohendem Nationalsozialismus, aber noch viel intensiver mit den immer diktatorischer werdenden kommunistischen Parteien Europas und dem Stalinregime auseinander. Er muss bekennen, dass der revolutionäre Idee letztendlich an der Diktatur in Moskau gescheitert ist. Wegen dieser Einsicht ist Manès Sperber in Rezensionen seiner Bücher auch „Autor des Irrtums“ genannt worden. Der Weg zu dieser Einsicht beschreibt er nicht zuletzt auf mehr als eintausend Seiten in seinem Roman „Wie eine Träne im Ozean“, mal spannend, mal nachdenklich, immer bewegend und erschütternd.
Ich habe „Wie eine Träne im Ozean“ als junger Erwachsener in der Schule gelesen. Im Gegensatz zur meisten anderen Schullektüre empfand ich den Roman nie als Pflicht sondern er hat mich sehr geprägt. Er gehört zum Fundament meines politischen Denkens und hat bei mir die Auseinandersetzung mit totalitären Denkweisen bewirkt. Heute, über fünfundzwanzig Jahre später scheinen mir sowohl das Buch als auch der Autor Manès Sperber ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Jedoch kam mir die Idee nicht deshalb. Vielmehr war es der Eindruck eines Kapitel des Romans über den gescheiterten Aufruf zum Generalstreik gegen die Machtergreifung der Nazis, der für mich eine Verbindung zu dem Projekt Steinbruch Demokratie darstellte. Ermutigt durch Paul Baumann habe ich mich zur Lesung bereit erklärt und in Paul Humann einen großen Unterstützer gefunden.
Ich lade Sie, verehrte Leser dieses Blogs, sehr herzlich zu der Lesung ein. Lassen Sie sich in die Geschichte des Dojno Faber einführen und diskutieren Sie anschließend mit, mit Lob oder Kritik – oder Beidem.
Treffpunkt: Der Kulturcontainer von Steinbruch Demokratie am Fritz-Rahkob-Platz in 45879 Gelsenkirchen
Zeitpunkt: Am 5. Juni 2013 um 19.00 Uhr

Nachtrag: Wie ist ’s gewesen?

Klare Antwort: Klasse!
Betrachten wir zunächst die Anzahl der Zuhörerinnen und Zuhörer, war es ein klassischer Reinfall. Außer Organisator Paul Baumann, meinem Co-Vorleser Paul Humann und mir waren gerade mal vier Leute gekommen. Aber das war egal.
An einem herrlichen, sonnigen Abend unter freiem Himmel haben wir zunächst in die Handlung des Romans eingeführt – und mussten danach abklären, ob überhaupt vorgelesen werden soll. Denn es begann gleich eine Diskussion unter den Zuhörern über die politische Zeit in der der Roman spielt. Dennoch habe ich doch meine Lesung gehalten. Eine Szene von ca. zwanzig Minuten. Der tragische Held Dojno Faber erfährt von einem Flüchtling die Wahrheit über die Gefangnenlager in Rußland unter der Stalin-Diktatur, aber beschließt, nicht zu reagieren um den Widerstand gegen Hitler nicht zu schwächen.
Für die anschließende Diskussion gab es kein Halten mehr. Über die Bedeutung von Wahrheit, über die Gründe weshalb es von einer Idee um den Menschen zu helfen ein rücksichtsloser Machtapperat wird. Zuletzt wurde nach der Bedeutung für die heutige Zeit gefragt. Wie wird politische Macht heute ausgeübt? Wie werden politische Mehrheiten gebildet? Von hier aus war auch der Blick auf Gelsenkirchen nicht weit. Wovon ist die Gelsenkirchener geprägt? Hier wurde es sehr konkret. Die meisten öffentlichen Plätze sind verbaut, kein freier Raum vorhanden, der sich durch Bürger gestalten lässt. Auch die Durchschneidungswirkung der vorbeiführenden Straßen macht die Plätze unattraktiv. Statt dessen besser die Straßen sperren oder in die Platzfläche in einbeziehen.

Darum das positive Fazit. Es war eine spannende Diskussion. Herzlichen Dank an Paul Baumann und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer!

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